Das deutsche Arbeitsrecht verpflichtet keinen Arbeitgeber/Reeder, Tarifverträge auf Arbeitnehmer an Bord seiner Schiffe unter deutscher Flagge anzuwenden. Die Tarifverträge in der deutschen Schifffahrtsindustrie (Manteltarifvertrag See und Heuertarifvertrag Siehe) gelten nur, wenn: Der deutsche Arbeitgeber verwendete für seine österreichischen Mitarbeiter eine deutsche Vertragsvorlage. Dieser Arbeitsvertrag sei “zu deutsch”, um zu dem Schluss zu gelangen, dass die Parteien das österreichische Arbeitsverhältnis aus folgenden Gründen regeln wollten: In Ermangelung einer ausdrücklichen Rechtswahl habe das Gericht dies so ausgelegt, dass die Parteien des Arbeitsvertrags auf der Grundlage dieser eindeutigen Angaben (z. B. unter Bezugnahme auf den deutschen Tarifvertrag und die deutschen Rechtsbedingungen) stillschweigend deutsches Recht als das für das österreichische Arbeitsverhältnis maßgebliche Recht gewählt hätten. Die aktuellen Tarifverträge stehen zum Download zur Verfügung: Diese Entscheidung unterstreicht, dass es teuer sein kann, zu versuchen, Geld zu sparen, indem sie keine lokalen Berater beschäftigt, um ausländische Arbeitsvertragsvorlagen zu überprüfen. Hätte der Arbeitgeber eine kurze Überprüfung durchgeführt und eine kurze Gesetzesklausel hinzugefügt, hätte dieser kostspielige Rechtsstreit vermieden werden können. Der Manteltarifvertrag See (MTV See) bietet den anerkannten Rahmen für die Arbeitsbedingungen von Seeleuten in der deutschen Seeschifffahrt. Sie enthält Vorschriften von langfristigem und allgemeinerem Charakter, deren Gültigkeitsdauer nicht eingeschränkt wurde. Der MTV See geht nicht auf das Lohnniveau ein, da diese im Heuertarifvertrag See (HTV See) festgelegt sind. Der HTV See wird in kürzeren Abständen zur Lohnanpassung neu verhandelt. Das war eine schlechte Nachricht für den Arbeitgeber, da es nach deutschem Recht viel schwieriger ist, Arbeitsverhältnisse zu kündigen als nach dem vergleichbaren österreichischen Rechtsrahmen. Nach österreichischem Recht muss ein Arbeitnehmer bei der Anfechtung einer gerichtlichen Kündigung nachweisen, dass seine materiellen Interessen durch die Kündigung beeinträchtigt wurden; es gibt jedoch keine vergleichbare gesetzliche Anforderung nach dem jeweiligen deutschen Gesetz.

Darüber hinaus beträgt die Frist für die Einreichung solcher Klagen in Deutschland drei Wochen, in Österreich zwei Wochen. Die österreichische Frist wäre bereits abgelaufen, während die dreiwöchige deutsche Frist noch offen war, als der Mitarbeiter seine Beschwerde einreichte. Ausländische Arbeitgeber sollten daher ihre Vertragsvorlagen an die Grundprinzipien des österreichischen Arbeitsrechts anpassen.