In Ermangelung einer gewählten Regierung und damit eines fehlenden Koalitionsdrucks waren die Parlamentssitzungen von unterschiedlichen Bündnissen zwischen österreichischen Parteien geprägt, wobei sich in der zweiten Jahreshälfte die Mehrheiten wechselten (das so genannte “freie Spiel der Kräfte”), was zu mehreren Verbesserungen für die Arbeitnehmer führte. Dies stand im Gegensatz zur früheren Regierung, die überwiegend industriefreundliche Maßnahmen umsetzte. Zu den Reformen gehörten: das Recht für neue Väter auf einen Monat Elternurlaub nach der Geburt eines Kindes; volle Gutschrift der Elternurlaubszeiten auf Lohnerhöhungen und andere zeitabhängige Ansprüche; die Umsetzung eines Rauchverbots in Bars und Restaurants; das Recht auf pflegebezogenen Urlaub von zwei Wochen pro Jahr für Arbeitnehmer mit pflegebedürftigen Angehörigen; die Möglichkeit des Eintritts in den Ruhestand ohne Abzüge nach 45 Jahren vollversicherter Beschäftigung; und zusätzliches Budget für aktive Arbeitsmarktpolitiken, die auf Langzeitarbeitslose ab 50 Jahren abzielen. Auf Unternehmensebene muss sich der Betriebsrat im Rahmen seiner Mitbestimmungsrechte in sozialen Angelegenheiten an der Regelung aller sozialen Angelegenheiten innerhalb des Betriebs beteiligen; für die einen besitzt sie ein Mitentscheidungsrecht, für andere kann sie eine Schlichtungsstelle anrufen, wenn keine Einigung mit dem Arbeitgeber erzielt werden kann. Diese Kammer, die sich aus einer gleichen Anzahl von Vertretern beider Seiten mit einem Richter als neutralem Präsidenten zusammensetzt und vom zuständigen Arbeits- und Sozialgericht eingesetzt wird, hat die Aufgabe, eine Einigung zwischen den Parteien in der betreffenden Angelegenheit herzustellen und, falls dies unterlegen ist, den Fall selbst zu entscheiden. Laut dem letzten halbjährlich erscheinenden Gesamteinkommensbericht des Österreichischen Rechnungshofs (Rechnungshof), der Ende 2018 veröffentlicht wurde, verdienten Frauen in Österreich 2017 durchschnittlich 37 % weniger als Männer (nicht um die Arbeitszeit bereinigt). Unter den festangestellten Vollzeitbeschäftigten beträgt das geschlechtsspezifische Lohngefälle immer noch 16 %. Die Lohnungleichheit ist bei Denbeschäftigten mit Vollzeitbeschäftigten am höchsten (32%) und Arbeiter (28 %), aber praktisch nicht vorhanden unter den Beschäftigten des öffentlichen Sektors: 6 % niedrigere Bezahlung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst und 4 % höhere Löhne für weibliche Laufbahnbedienstete. Einer der wichtigsten Mechanismen zur Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles ist die Erhöhung der branchenspezifischen Mindestlöhne (Hermann, 2009).

Die wahrgenommene Qualität der öffentlichen Dienstleistungen ist in Österreich gut. Die von den Befragten angegebenen Bewertungen für alle sieben öffentlichen Dienstleistungen liegen über dem EU-28-Durchschnitt, wie unten dargestellt. Österreich belegte bei den Gesundheitsdiensten (8,0 von 10) und dem sozialen Wohnungsbau (7,1) den höchsten Platz unter den EU-28-Ländern. Die meisten Bewertungen haben sich seit 2007 kaum verändert. Allerdings ist die wahrgenommene Qualität der Kinderbetreuungseinrichtungen seit 2007 um 0,7 Punkte gestiegen. Die Sozialpartnerberatung in Österreich basiert auf einer Praxis der dauerhaften, aber informellen Zusammenarbeit und nicht auf gesetzlichen Regelungen. Der dreiseitige Dialog ist umfangreich und behandelt eine Vielzahl von Themen in allen Wirtschaftssektoren.